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Bildhauer Josef Grasedick bei seiner Arbeit im Atelier in Feldhausen. Seit einigen Jahren lebt und arbeitet der Künstler aber in Raesfeld.

Josef Grasedick sucht Domizil für künstlerischen Nachlass



Von Friedhelm Wessel


Der Umgang mit Holz und Sandstein fällt dem Künstler immer schwerer. Vor allem seine Sehkraft hat erheblich nachgelassen. So arbeitet Josef Grasedick seit Monaten nur mit Hilfe eines starken Vergrößerungsglases an seinem künstlerischen Vermächtnis, einem etwa 1,20 Meter langen und 40 Zentimeter breiten Eichenbalken. Hier hat er seine Feldhausener Zeit aus dem braunen Holz „herausgeholt“. Die Beck`sche Mühle - hier lebte von 1951 bis 2000 die Familie Grasedick – kann man nun dort lesen. Eine Botschaft? „Ich möchte gerne einige meiner schönsten Kunstwerke meiner alten Heimat Kirchhellen überlassen. Der Hof Jünger wäre sicherlich ein geeigneter Ort“, verriet Josef Grasedick. Vor allem das „Erinnerungsrelief“ und einige schöne Krippen und Gemälde aus der künstlerischen Frühzeit des sehr religiösen und bodenständigen Bildhauers hat der 85Jährige dabei fest im Blick.

Doch der Bürgerverein Hof Jünger muss hier wohl passen. Vorsitzender Prof. Dr. Jürgen Markowitz: „Wir würden gerne einige Exponate von Josef Grasedick übernehmen. Leider ist es uns aus Platzgründen derzeit nicht möglich. Erst vor einigen Wochen mussten wir das Angebot einer bekannten Kirchhellener Familie ablehnen, die uns einige historische Möbelstücke überlassen wollte. Wir suchen aber nun nach einer Lösung“.

Das Herz des vielseitigen Künstlers Grasedick hängt immer noch an Kirchhellen, obwohl er mittlerweile seit acht Jahren in der Nähe des Schlosses Raesfeld lebt und arbeitet. Josef Grasedick hat vor Monaten begonnen, seinen künstlerischen Nachlass zu ordnen. Dabei möchte er einen kleinen und besonderen Teil seiner Arbeiten, darunter Skulpturen, Reliefs und Krippen seiner Wahlheimat Kirchhellen überlassen. Fast 50 Jahre lebte der bekannte Bildhauer und Holzschnitzer in der ehemaligen Mühle des Hauses Beck in Feldhausen. Zusammen mit seiner Familie baute er das einst marode Gebäude zu einem liebenswerten Kleinod um. Sein Atelier, in dem viele bekannte Krippen und Kreuze entstanden, stand auf dem großen Anwesen mit der bereits im 12. Jahrhundert erbauten Mühle im Mittelpunkt. Die Werke des bekannten Holz- und Steinbildhauers sind in ganz Europa verteilt. Einige sind in Museen zu sehen, andere zieren Kirchen, Wohnhäuser und Friedhöfe. Kontakte zwischen dem Raesfelder Künstler und dem Kirchhellener Bürgerverein hat es bisher offiziell noch nicht gegeben. Jedenfalls sollte sich Kirchhellen diesen kostenlosen künstlerischen Nachlass nicht entgehen lassen.

Domherr aus Feldhausen ließ Hochofen bauen


von Friedhelm Wessel


Gottlieb Jacobi und Franz Haniel blicken heute mit steinernen Mienen auf das Anwesen herab, in dem vor 250 Jahren alles begann: Auf die St. Antony-Hütte in Osterfeld. Dabei sind die Namen Jacobi und Haniel eng mit der Wiege der Ruhrindustrie in der Nachbarstadt Oberhausen verbunden. Doch als eigentlicher Gründer der ersten Eisenhütte im Ruhrgebiet gilt Domkapitular Franz Ferdinand von der Wenge, der damals in Feldhausen lebte. Er beantragte bereits 1741 beim zuständigen Erzbischof zu Münster die Erlaubnis zum Bau einer Schmelze zwischen Osterfeld und Buer. Denn zu jener Zeit gehörte dieser Bereich noch zum Vest Recklinghausen.

Der Münsteraner Domherr, der in Feldhausen lebte, beauftragte 1757 Jean Antony von Graes mit dem Bau eines 6,70 Meter hohen Hochofens und eines Windgebläses, das von einem riesigen Wasserrad angetrieben wurde. Zuvor musste Franz Ferdinand von der Wenge (1707 bis 1788) aber etliche Widerstände überwinden. Das Gericht zu Dorsten untersagte ihm zunächst den Bau der Hüttenanlage, weil das sich in der Nähe befindliche Kloster schon damals große Umweltschäden voraus sah. Äbtissin Marie Sophie von Wrede (1729 bis 1799) befürchtete, dass der Elpenbach, an dessen Ufern die St. Antony-Hütte liegen sollte, das Wasser stark verschmutze. Die Kraft des Elpenbaches wurde nämlich nicht nur zum Antrieb der Windanlage, sondern auch zur Wäsche des angelieferten Raseneisenerzes genutzt. Die adeligen Damen aus dem Sterkrader Kloster waren aber auf das Wasser des Elpenbaches angewiesen. Es wurde zum Waschen, Backen, Kochen und zur Fischzucht genutzt. Doch alle Proteste der ersten bekannten Umweltaktivistin aus der neuen, danach weltgrößten Industrieregion, Marie Sophie von Wrede, halfen nichts: 1758, als vor genau 250 Jahren, wurde erstmals der Hochofen, der mit heimischen Erzen und Holzkohle aus den nahen Wäldern befeuert wurde, angestochen. Damit wurde das industrielle Zeitalter im Gebiet zwischen Ruhr und Lippe endgültig eingeläutet.

Die Gewinnung des von Eisen und danach auch von Kohle konnte nun nichts mehr aufhalten. Die St. Antony-Hütte – die Namensgebung ist immer noch nicht ganz geklärt – durchlebte eine wechselvolle Geschichte. Nur wenige Wochen im Jahr lief die Anlage auf Hochtouren, denn es fehlte häufig an den notwendigen Rohstoffen. Zunächst wurden in Osterfeld von den etwa 80 Mitarbeitern Töpfe, Pfannen, Rohre und Munition (Kugeln) hergestellt. 1877 kam aber das endgültige Aus für den ersten Hochofenbetrieb im Ruhrgebiet. Doch mittlerweile kümmerten sich die Familien Jacobi, Haniel, Huyssen, Grillo, Harkort, Lueg, Stinnes, Hoesch und Krupp um die sehr gewinnträchtige Schwerindustrie.

Die ehemalige Hochofenanlage im Tal des Elpenbaches, im Volksmund auch „Gottesgnadenhütte genannt - ist heute ein Museum. Erhalten sind noch des 1758 erbaute Wohnhaus des ersten Hüttenleiters Gottfried Jacobi., ein Kontorgebäude und der idyllische Hüttenteich. Vor zwei Jahren begannen im Umfeld der „Wiege der Ruhrindustrie“ die ersten Ausgrabungen. Bisher wurden die Fundament des 1757 erbauten Hochofens freigelegt. Dort soll nun ein archäologischer Park entstehen. Hier haben auch die beiden Gründerväter der späteren Gutehoffnungshütte (GHH- danach MAN) Jacobi (1770 bis 1823) und Haniel (1779 bis 1868) ihre Ehrenplätze gefunden. Nur ein steinernen Monument des einstigen, weitsichtigen Domherren aus Feldhausen, Franz Ferdinand von der Wenge, fehlt leider in diesem erlauchten Kreis.

Die Antony-Hütte in Osterfeld. Vor 250 Jahren wurde hier der erste Hochofen des Reviers angeblasen. Es war der Beginn der Industrialisierung des Ruhrgebietes.