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Die Zeit der großen Grubenunglücke in deutschen Bergwerken ist längst vorbei. Hier wird Sicherheit groß geschrieben. Auch die Zeit der Steinkohlenzechen geht in Deutschland dem Ende entgegen. 2018 schließt hier der letzte Pütt.

Ein sehr gefährlicher Beruf: Bergmann in China


Profit geht hier immer noch vor Sicherheit – 1942 ereignete sich in der Manschurei das schwerste Grubenunglück in der Geschichte des Kohleabbaus

von Friedhelm Wessel


Seitdem Menschen nach Erzen und Mineralien graben, gibt es Bergwerksunglücke, und je tiefer man die Schächte in die Erde trieb, um Kohle, Erz, Gold, Uran, Salz oder Diamanten abzubauen, um so großer wurden die Risiken. Vor allem das geruchslose Methangas löste in den vergangenen Jahrhunderten so manche Explosion mit fatalen Folgen in den Kohlebergwerken in Wales, den USA, in Frankreich und in Böhmen aus. Während die Gruben in den westlichen Ländern wie Bundesrepublik Deutschland, Skandinavien und USA immer sicherer wurden, gelten die Pütts in China und der Ukraine als Todesfallen. So starben allein zwischen 1992 und 2002 in chinesischen Kohlenzechen rund 59 000 Bergleute. Ebenfalls als sehr unsicher gelten die Pütts in der Ukraine. Hier kamen in der Zeit von 1991 bis 2001 etwa 3700 Kumpels ums Leben. Das wohl folgenschwerste Grubenunglück in der langen Geschichte des untertägigen Bergbaus ereignete sich 1942 in der Grube Benixhu in der Manschurei. Hier starben nach einer Schlagwetterexplosion 1549 chinesische Bergleute.

Profit ging lange vor Sicherheit. Hinzu kam, das Forschung und Technik auch im Bergbau enorme Fortschritte machte. Trotzdem gab es zwischen 1866 und 1965 eine Reihe von spektakulären Grubenunglücken im Ruhrgebiet. Zunächst riss 1866 das Hanfseil eines Förderkorbes auf der Zeche Prosper in Bottrop. Das Fördergefäß stürzte in die Tiefe. 14 Bergleute fanden den Tod. Erst später wurden als Folge des Unglücks die viel sicheren Stahldrahtseile im Bergbau eingeführt. Ab 1908 gab es dann in der Region zwischen Bockum-Hövel und Duisburg weitere schwere Bergwerksunglücke, die auf ausströmende Grubengase zurückzuführen sind. So starben vor 100 Jahren auf der Zeche Radbod in Bockum-Hövel nach einem Grubenbrand 348 Bergleute. Weil man den Brand nicht löschen konnte, wurde der Untertagebetrieb zeitweise mit dem Wasser der nahen Lippe geflutet. Von 1943 bis 1956 gab es mehrere Grubenunglücke auf der inzwischen längst geschlossenen Zeche „Dahlbusch“ in Gelsenkirchen. Hier starben insgesamt 142 Kumpels. Bekannt wurde der Pütt 1956, als mittels der sogenannten Dahlbuschbombe – einem mannshohen Rohr und einem Durchmesser von etwa 500 Millimeter – durch eine niedergebrachte Bohrung drei verschüttete Bergleute gerettet werden konnten. Diese Rettungsgerät kam dann sieben Jahre später in Lengede bei Hannover zum Einsatz, wo nach einem Klärteicheneinbruch die Erzgrube „Mathilde“ unter Wasser stand. 13 Bergleute überlebten 1963 in einer Luftblase. Nach einer spektakulären Bohrung kamen sie nach und nach mit Hilfe der im Ruhrgebiet entwickelten „Bombe“ ans Tageslicht.

Daß Grubenunglücke auch völkerverbindende Wirkungen haben können, zeigte sich 1906 im nordfranzözischen Henin-Litard.. Dort konnten die Rettungstrupps nicht in die brennenden Grube eindringen. Deshalb machten sich extra ausgebildete Bergleute aus Herne (Zeche Shamrock) und Gelsenkirchen (Zeche Rheinelbe) auf den Weg nach Frankreich, um zu helfen. Die deutschen Retter verfügten nämlich schon über ein damals modernes Atemschutzgerät (Shamrock-Retter), das es ihn ermöglichte, in die gasgefüllte und brennende Grube vorzudringen. Die Deutschen kamen zu spät, aber ihr Einsatz ging in die Geschichte das Bergbaus ein. Bei dem Grubenunglück starben 1099 Kumpels, nur 13 Bergleute konnten damals gerettet werden.

Auch heute noch sterben täglich Bergleute bei ihrer schweren Arbeit unter Tage, denn es wird auch weiterhin zwischen Schweden und Neuseeland nach Erz, Kohle, Kali, Gold oder Diamanten gegraben.